Schmerzbestrahlung („Röntgenreizbestrahlung“)

Es gibt zahlreiche chronisch-entzündliche und degenerative Erkrankungen im Knochen-Muskel-Weichteilgewebe, die mit starken Schmerzen und Funktionseinschränkungen einhergehen und durch eine Strahlentherapie mit Erfolg behandelt werden können. Dazu zählen zum Beispiel der schmerzhafte Fersensporn, der Tennis- oder Golferellenbogen, die aktivierte Arthrose, sowie die Sehnen- und Schleimbeutelentzündung im Bereich von zahlreichen Gelenken.

Die benötigte Strahlendosis liegt weit unterhalb der gewebeabtötenden Dosis, die bei Tumoren notwendig wird. Außer dem sehr geringen Risiko der Tumorauslösung (ca. 0,5% im Zeitraum von 20 – 30 Jahren danach) ist die Strahlenbehandlung fast nebenwirkungsfrei. Bei Beginn der Bestrahlungsserie können die Schmerzen leicht zunehmen, was aber als gutes Zeichen für das spätere Ansprechen gewertet werden kann. Das Ansprechen liegt insgesamt bei 50 – 70%. Die verwendeten Einzel- / Gesamt-dosen liegen bei 0,5 – 1Gy bzw. 5 – 10Gy. Die niedrig dosierte Strahlung vermindert die Aktivität von Leukozyten, von Vorläuferzellen des Bindegewebes und die Ausschüttung von Zytokinen, die die Entzündung steuern. Insgesamt werden sowohl akute als auch chronische Entzündungsprozesse. gehemmt. Außerdem wird auch noch eine direkte Hemmung der Schmerzrezeptoren vermutet. Zur Zeit werden allein in Deutschland pro Jahr etwa 37 000 Patienten mit derartigen Erkrankungen bestrahlt, mit steigender Tendenz [6]. Ganz besonders Schmerzen im Bereich der Gelenke (aktivierte Arthrose) und am Ansatz von Sehnen /Enthesiopathie; Tendinitis, Tenonitis), im Bereich von Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Hüfte, Knie, Ferse und Vorfuß sind der Schmerzbestrahlung gut zugänglich.


Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Die Anwendung von Röntgenstrahlen zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Alltags-funktion / Lebensqualität birgt nur sehr geringe Risiken. Sie hängen von der Lage und genauen Anordnung der Strahlenfelder, vom Alter des Patienten und der verabreichten Dosis ab. Sehr selten ist die Karzinogenese (Krebsentstehung durch ionisierende Strahlen); deshalb werden kritische Organe, vor allem Schilddrüse, weibliche Brust, Gonaden und Knochenmark immer ausgespart bzw. besonders geschützt. Schont man diese Organe und beschränkt die Therapie auf ältere Patienten (ab ca. 40. Lebensjahr) bleibt das Risiko im Promille-Bereich (1: 10.000). Zum Vergleich: Das Risiko einer möglicherweise tödlichen Darmblutung bei langdauernder Einnahme von Schmerzmittel vom Aspirintyp beträgt bis zu 70% [4]. Auch Autofahren oder bestimmte Lebensgewohnheiten (Übergewicht, Nikotin) sind um ein Vielfaches gefährlicher !


Praktische Durchführung der Bestrahlung

In der Regel werden Patienten mit entsprechenden Beschwerden durch Ihren Hausarzt oder Facharzt (oft Orthopäde) nach erfolgloser Vorbehandlung zur Schmerzbestrahlung überwiesen.

Nach der Erhebung ihrer Krankheitsdaten, Überprüfung der Diagnose und Aufklärung über die Strahlentherapie erfolgt die Einstellung des geeigneten Bestrahlungsfeldes am Gerät. Die erste Behandlung kann etwas länger dauern, da wichtige Daten in Ihrer Krankenakte dokumentiert werden müssen. In der Regel dauert die Behandlung aber nur ca. 5 Minuten ohne eine weitere Beeinträchtigung des Alltages. In der Regel erfolgen 6 – 10 Bestrahlungen in 2 – 3 Wochen. Die Bestrahlungsserie kann nach ca. 8 – 12 Wochen wiederholt werden, wenn Restbeschwerden bestehen. Die Kosten für die Bestrahlung tragen gesetzliche sowie private Krankenkassen.


Literatur

Seegenschmiedt MH, Micke O, Willich N: Radiation therapy for nonmalignant diseases in Germany. Current concepts, future perspectives. Strahlenther Onkol. 2004 Nov;180(11):718-30. PMID 15549190

 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Behandlung ! Ihr Praxisteam Radiologie am Stern